Spinntechnik

Die drei Antriebsarten bei Spinnrädern

Es ist nicht wichtig, dass du die technische Funktion der verschiedenen hier vorgestellten Systeme nachvollziehen kannst.

 

Wichtig ist zu wissen:

Du kannst und musst die Kraft des Fadeneinzuges regulieren, sodass du gut entspannt spinnen kannst. Bei Doppelantriebsrädern machst du das mit der Spannung der doppelt herumgelegten Antriebsschnur, bei Bremssystemen mit der Spannung des Bremsbandes. Je höher die Spannung, umso stärker der Einzug. Und beachte: Die Einzugsspannung wird geringer, wenn der Durchmesser auf der Spule größer wird. Daher wirst du beim Anwachsen des Spulendurchmessers die Spannung von Antriebsschnur bzw. Bremsband ein wenig anziehen müssen, um die gewünschte Kraft des Garneinzuges wieder herzustellen. Du solltest überdies trachten, die Spule auf der ganzen Länge mit Garn ziemlich gleichmäßig zu bewickeln, denn dadurch wächst der Durchmesser entsprechend gleichmäßig an und du brauchst die Einzugskraft nicht öfter als nötig anzupassen. Aber du musst den Faden in den Häkchen am Flügel immer wieder mal umhängen, bzw. die Öse verschieben, durch die der Faden geführt wird. Deshalb sind am Flügel auch immer mehrere Häkchen zu finden, bzw. eine verschiebbare Fadenführung.

Zwei Bremssysteme

Die Antriebsschnur treibt entweder die Spule an (Spulenantriebs-Flügelbrems-System oder irisches System) oder den Flügel (Flügelantriebs-Spulenbrems-System oder schottisches System).

 

Wird nur die Spule gedreht und der Flügel gebremst (irisches System), dann wird Garn aufgespult. Ebenso wird Garn aufgespult, wenn, beim schottischen System, der Flügel gedreht und die Spule gebremst wird.

 

Gebremst bzw. festgehalten werden Flügel oder Spule immer durch ein Bremsband oder eine Bremsschnur, dessen/deren Bremswirkung durch Anspannen bzw. Nachlassen der Bremsspannvorrichtung verändert werden kann. Je stärker die Bremsspannung, umso stärker die Kraft, mit der das Garn eingezogen wird.

 

Einfluss auf die Kraft des Garneinzuges hat überdies der Durchmesser mit dem das Garn auf die Spule gespult ist. Das hat mit dem dann höheren Drehmoment zu tun, das zwischen Spule und Flügel wirkt, sodass das gleichgebliebene Drehmoment der Bremse eine geringere Kraft auf das einzuziehende Garn ausübt.

 

Wenn die Spulendurchmesser wegen des bereits aufgespulten Garnes größer wird, wird die Kraft des Garneinzuges kleiner. Mit dem Erhöhen der Spannung von Antriebsschnur bzw. des Bremsbandes, vorzunehmen von der spinnenden Person, kann die Kraft des Garneinzuges wieder auf das ursprüngliche, gewünschte Maß erhöht werden.    

Doppelantrieb

Die Antriebsscheiben von Spule und Flügel haben unterschiedliche Durchmesser, werden aber von Antriebsschnüren gleicher Umfangsgeschwindigkeit angetrieben. Die beiden Antriebsschnüre sind eigentliche eine einzige Schnur, die um das große Antriebsrad zweimal herumgelegt wird, aber einmal um die Antriebsscheibe der Spule und einmal um die Antriebsscheibe für den Flügel. Damit haben Spule und Flügel schon mal unterschiedliche Drehgeschwindigkeiten, sodass das Garn mit mehr als ausreichender Geschwindigkeit aufgespult werden kann.

 

Wenn die spinnende Person das Garn festhält, weil sie nicht will, dass es aufgespult wird, so zwingt das die Antriebsschnur an der kleineren Antriebsscheibe, das ist in der Regel die der Spule, zum Durchrutschen. Es liegt an der Spannung der Antriebsschnur, welches Drehmoment aufgewendet werden muss und folglich welche Einzugskraft am Garn nötig ist, um die Antriebsschnur zum Durchrutschen zu zwingen. Je höher die Spannung an der Antriebsschnur, umso stärker die Einzugskraft am Garn – und umgekehrt.

 

Es gibt daher eine Vorrichtung, mit der die Spannung der Antriebsschnur verstellt werden kann. Damit kann die spinnende Person jede von ihr gewünschte Einzugskraft des Garnes einstellen. Das ist wichtig, denn nur die richtig eingestellte Einzugskraft des Garnes erlaubt es, entspannt zu arbeiten und gleichmäßig gutes Garn zu spinnen.

 

In der Praxis sind die beiden Antriebsschnüre in Wahrheit eine einzige Schnur, die zunächst einmal um das große Antriebsrad gewunden wird, dann über die Spule, dann neuerlich um das Antriebsrad, dann um die Scheibe des Flügels. Schließlich werden die beiden Enden der Antriebsschnur ausreichend gespannt und verknüpft.

Was sind die Vor- und Nachteile der 3 Spinnrad-Systeme?

Die beiden Bremssysteme haben den Vorteil des einfacheren Spulenwechsels. Für sehr feine Garne eignet sich der schottische Antrieb besser als der irische. Aber ansonsten sind die Unterschiede der beiden Systeme sehr gering. Es ist eher eine Frage der persönlichen Gewohnheit.

 

Das Doppelantriebssystem verzehrt theoretisch etwas weniger Bremsenergie als die beiden Bremssysteme. Für Anfänger ist das unmerklich. Fortgeschrittene, wenn sie viel spinnen, werden diesen Vorteil bemerken. Beim Spinnen sehr feiner Garne ist das Doppelantriebssystem von Vorteil. Der Spulenwechsel ist ein wenig komplizierter, weil ja immer beide Fäden abgehoben und wieder eingelegt werden müssen. Dafür entfällt das Abheben einer Bremsschnur.