Das Spinnen zu Zweit – zum Einspinnen

Das ist eine Vorübung

Das Spinnen zu Zweit

Eine der beiden Personen – im Folgenden als die „passive Person“ bezeichnet, hält einen Bausch Vlies in beiden Händen. Die andere Person – im Folgenden als die „aktive Person“ bezeichnet zupft ein wenig von dem Vlies heraus und verdreht es zwischen den beiden „aktiven“ Fingern der einen oder beider Hände. Und schon entsteht daraus ein Stückchen Garn. Ihr werdet sehen, dass sich die einzelnen Tierhaare aneinander verhaken, umso mehr, je mehr du aktive Person sie miteinander verdrehst. Vor euren Augen habt ihr nun das kurze Stückchen Garn und dann in Richtung Vlies das Stückchen wo das dünne Garn in die Breite geht und wenig verdreht in den Vlies-Bausch übergeht.

 

Du aktive Person erfasst nun das Garn genau dort, wo es gerade noch nicht in die Breite geht und ziehst es ein wenig aus dem Vlies heraus. Das neu herausgezogene Vlies wird sich nun auch ein wenig verdrehen. Diese Drehung wird vom bereits fertigen Faden auf das unverdrehte Vlies abgegeben. Es wird so zu versponnenem Garn. Ziehst du weiteres Vlies heraus, so wird auch dieses verdreht, wodurch die Verdrehung des gesamten, soeben neu ersponnenen Garnes natürlich geringer wird. In der Folge verhakt sich immer weniger nachgezogenes Vlies und das Garn neigt dazu, immer dünner zu werden. Du aktive Person wirst daher das fertige Garne neuerlich verdrehen, so angemessen und ausgewogen, dass das Vlies wieder stärker verdreht wird und in weiterer Folge ein Garn in gewünschter Dicke entstehen kann.

 

Spätestens dann, wenn das Garn schon so lang geworden ist, dass die aktive Person das unversponnene Vlies mit der Hand nicht mehr erreichen kann, wird die passive Person das Herausfließen des Garnes aus dem Vlies in die Hände nehmen und das Verdrehen des entstehenden Garnes dosieren.

 

Irgendwann wird das Garn so lang, dass es Zeit ist, es aufzuwickeln. Wenn ihr einen Knäuel machtet, dann müsste dieser Knäuel immer mitgedreht werden. Schon in der Steinzeit ist aus dieser Not heraus die Fallspindel erfunden worden: ein gerades Stück Holz mit einem Stein eingeklemmt. Darauf spult ihr das ersponnene Garn. Das letzte Stückchen Garn legst du aktive Person mit einem „halben Schlag“ an das künftig obere Ende des Holzes – ab nun als Fallspindel bezeichnet –, sodass du mit dem Garn nun zugleich auch die Fallspindel hältst. Das Gewicht der Fallspindel baumelt nun an dem Stückchen Garn, das um die Spindelspitze herumgeschlagen ist, senkrecht unter der haltenden Hand. Die passive Person versetzt nun die Fallspindel in Drehung. Sie achtet dabei auf ein maßvolles Verwinden des bereits fertigen Garnes. Nun ziehst du aktive Person mit den Fingern der aktiven Hand den Faden – knapp unterhalb der Stelle, wo er aus dem Vlies herauskommend sich bereits ein wenig verdreht hat – nach unten, während die andere, passive Hand das Vlies hält und gefühlvoll dosierend das noch unversponnene Vlies aus dem Bausch herausfließen lässt. Sobald die aktive Person ausreichend viel Geschick beim eigentlichen Spinnvorgang entwickelt hat, kommen wir zum nächsten Schritt, dem Spinnen alleine – durch eine Person.